Übungswoche der Feuerwehr: Zwischen Spaß und Ernst

Von |2017-06-01T10:17:03+00:002.02.2015 | 10:08|
„Hopp, auf geht’s!“ So schallt es über das weitläufige Gelände. „Action, zack zack!“ Kommandant Michael Rohm macht seinen Leuten Feuer unterm Hintern. Tatsächlich spielt Feuer die zentrale Rolle an der Schleunung-Villa – allerdings im wörtlichen Sinne. Das große Wohnhaus an der Baumhofstraße soll kommenden Montag abgerissen werden und dient bis dahin als Trainingsort für die Feuerwehr.
 
Es ist so kalt, dass der eisige Atem kaum vom Rauch der brennenden Paletten zu unterscheiden ist. Der Geruch von verbranntem Holz liegt in der Luft. Die hellen Funken im dunklen Abendhimmel sind ein trügerisch schöner Anblick: Würde hier nicht geübt und wäre die Villa nicht unbewohnt, wäre das ein riskanter Großeinsatz für die Feuerwehren aus Glasofen, Marienbrunn, Oberwittbach, Zimmern und Marktheidenfeld Stadt.
 
Sechs Tage lang können die Rettungskräfte hier verschiedene Brandszenarien durchspielen. „So ein Gelände ist ideal. Man kann einfach viel ausprobieren und an seine Grenzen gehen“, findet Markus Saller. Der 22-Jährige hat vor zehn Jahren bei der Jugendfeuerwehr angefangen und schon viele Einsätze mitgemacht. Er darf sich mit dem sperrigen Titel des Atemschutzgerätewarts schmücken – eine wichtige Aufgabe, wie die Übungen zeigen.
 
Mensch geht vor Feuer
In einem Szenario kommt es beispielsweise bei Reparaturen im Heizungskeller der Villa zu einer Verpuffung, die zu einem offenen Feuer aus Holzpaletten führt. Eine Person, ersetzt durch einen schlaffen, 80 Kilo schweren Dummy, wird vermisst. „Der klare Auftrag hierbei ist, dass Personenrettung vor Brandbekämpfung geht“, erklärt Michael Rohm, Kommandant der Marktheidenfelder Feuerwehren. Es dauere aber auch seine Zeit, bis sich die Männer im Hausinneren zurecht fänden.

Eine Nebelmaschine erzeugt den Rauch, der sich in alle Stockwerke ausbreitet. Es ist teilweise unmöglich, die Hand vor Augen zu sehen. Mit Atemschutzmasken und einem Sauerstoffbehälter bepackt, krabbeln die ersten zwei Männer auf allen Vieren in den Rauch hinein. Am Boden ist die Sicht deutlich besser, aber orientieren können sie sich nur an den Kanten der Wände. Wichtig für den Einsatz ist, dass die Gruppe einen Anführer benennt, der die Situation einschätzt und die Mannschaft richtig einteilt.
Immer wieder fragt Kommandant Rohm per Funk nach der Lage; wie weit die Männer gekommen und, ob sie schon auf Personen gestoßen sind. Je nach Anstrengung und Fitness reicht der Sauerstoff für 15 bis 20 Minuten. Wenn nur noch 50 der 300 bar Atemluft übrig sind, bekommt derjenige ein Funksignal und muss so schnell wie möglich zurück an die frische Luft. Nassgeschwitzt und außer Atem kehren die Feuerwehrmänner aus dem Haus zurück.
In diesem Szenario und bereits in einigen zuvor spielt Julia Rohm eine Statistin. „Ich bin die aufgeregte Bewohnerin und derjenige, der die Lage erkundet, befragt mich“, erklärt die 18-Jährige. Ihr Vater, Großvater, Onkel und Freund sind bei der Feuerwehr. Sie hatte es schon länger vor, vor einer guten Woche hat sich die 18-Jährige dann auch bei der Freiwilligen Feuerwehr angemeldet. Damit ist sie eine von drei Feuerwehrfrauen in Marktheidenfeld.
Aus Übung wird Realität
Noch bevor die Übung am Mittwochabend zu Ende geht, wird plötzlich alles ganz hektisch. Es piept. Kommandant Rohm bekommt die Funknachricht, dass die Feuerwehr in Birkenfeld Unterstützung braucht. Ein Zimmerbrand. „Bleibt ganz ruhig“, weist Rohm seine Leute an.

In Eile ziehen die Männer ihre Atemschutzmasken aus. Laufen zu ihren Einsatzwagen, Türen knallen. Mit schnellem Tempo fahren sie die lange Auffahrt der Villa hinunter. Blaulicht und Sirenen verschwinden. Zwei Leute bleiben zurück und kümmern sich um das restliche Feuer in der Villa. So schnell wird aus Übung und Spiel bitterer Ernst.
 
Quelle Text: Mainpost.de
 
 Bilder: Benedict Rottmann
 
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