Es war eine geschäftige Woche für die Kommandanten der Feuerwehr Marktheidenfeld und auch Bürgermeister Thomas Stamm investierte viel Zeit in seine Feuerwehren. Während am vergangenen Freitag die Jahreshauptversammlung der Kernstadtfeuerwehr nachgeholt wurde, stand am Donnerstagabend auch die Stadtratssitzung weitgehend unter dem Motto „Feuerwehr“. Trauriger Höhepunkt war dabei der Beschluss des Stadtrates, erstmals in der Geschichte Marktheidenfelds, eine ihrer Freiwilligen Feuerwehren aufzulösen.

 

Langer Kampf um Erhalt der Feuerwehr Oberwittbach

Auch wenn es bei weitem nicht das einzige Thema war, so war es doch sicherlich der emotionalste Teil der Stadtratssitzung: nachdem Bernhard Nees, als Federführender Kommandant aller Marktheidenfelder Feuerwehren, nochmals detailliert über die Historie der Stadtteilfeuerwehr berichtet hatte, bestätigte auch Bürgermeister Thomas Stamm, dass dem Antrag zur Auflösung der Feuerwehr ein langer Kampf um deren Erhalt voraus gegangen war.

Ausschlaggebend für den Auflösungsantrag war dabei ausdrücklich nicht mangelndes Personal. Zwar konnten die Oberwittbacher Floriansjünger mit zuletzt 15 Aktiven nicht die gesetzlich geforderte dreifache Besetzung ihres Feuerwehrfahrzeuges sicherstellen – bei einer Einwohnerzahl von 158 ist die Mitgliedsquote von fast 10% allerdings durchaus beachtlich. Zum Problem wurde in Oberwittbach jedoch, dass sich aus den Reihen der Einsatzkräfte kein Kommandant finden ließ. Simon Hoh hatte bei der letzten Wahl den Posten übergangsweise angenommen. Als sein angekündigter Nachfolger nicht mehr zur Verfügung stand, hatte er für Ende 2019 seinen Rücktritt angekündigt. In mehreren Dienstversammlungen und persönlichen Gesprächen konnten weder die amtierenden Bürgermeister, Helga Schmidt-Neder und Thomas Stamm, noch Federführender oder auch benachbarte Kommandanten eine neue Feuerwehrführung finden.

Nach Ablauf der gesetzlichen Fristen des Bayerischen Feuerwehrgesetzes musste zuletzt gar der zuletzt stellvertretende Kommandant vorübergehend zwangsverpflichtet werden. Nachdem auch die Angebote der Nachbarfeuerwehren Altfeld und Michelrieth zu einem Zusammenschluss abgelehnt worden waren, hatten die Mitglieder der Oberwittbacher Feuerwehr für die Auflösung ihrer Feuerwehr gestimmt.

Wie Bernhard Nees auf Nachfrage im Stadtrat bestätigte, biete das Bayerische Feuerwehrgesetz theoretisch zwar die Möglichkeit ein Mitglied zum Kommandanten zu verpflichten. Nicht nur weil die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfristen im Stadtteil Oberwittbach jedoch auch durch die Feuerwehr Altfeld erfüllt werden können, sei diese theoretische Möglichkeit jedoch mehr als fragwürdig. Und so blieb den Mitgliedern des Stadtrates kaum eine Alternative, als den Antrag zur Auflösung der Feuerwehr Oberwittbach zuzustimmen – mit vier Gegenstimmen, die wohl vor allem das Widerstreben widerspiegelten, eine Freiwillige Feuerwehr mit langer Tradition aufzulösen.

Rückblick und Feuerwehrbedarfsplan

Zuvor hatte der Federführende Kommandant dem Stadtrat seinen Sachstandsbericht zur Lage der Feuerwehren vorgestellt. Bernhard Nees berichtete von insgesamt 289 Einsätzen aller Marktheidenfelder Freiwilligen Feuerwehren. Diese waren von insgesamt 280 Aktiven Einsatzkräften , darunter 57 Atemschutzgeräteträger, erbracht worden. Dabei habe man in 2019 27 verletzten Personen helfen können, zwei Personen konnte man bei den Einsätzen nicht mehr retten. Besondere Beachtung des Gemeindegremiums erhielt die Summe der rein ehrenamtlich erbrachten Arbeitsstunden der Freiwilligen Feuerwehren Marktheidenfeld, die Nees auf rund 11.000 Stunden bezifferte. Obwohl ein Großteil der Belastung von den Feuerwehren Altfeld und Marktheidenfeld getragen werden, seien auch die Feuerwehren Glasofen, Marienbrunn, Michelrieth und Zimmern maßgeblich für die Sicherstellung des Brandschutzes. Auch zahlreiche Kommandanten der Ortsteilfeuerwehren sowie weitere interessierte Feuerwehrmitglieder waren ins Rathaus gekommen und bekräftigten damit das große Engagement der nun noch sechs Feuerwehren.

Während Nees auch verschiedene Herausforderungen für die Arbeit seiner Freiwilligen Feuerwehren ansprach, legte er Wert darauf, sich über die durchweg positive Zusammenarbeit mit dem für Marktheidenfeld zuständigen Kreisbrandinspektor Andreas Schmitt zu freuen.

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Unter Tagesordnungspunkt 3.2 wurde schließlich der Entwurf des Bedarfsplans für die Marktheidenfelder Feuerwehren behandelt, der bereits im Juli 2018 an ein externes Planungsbüro in Auftrag gegeben worden war. Nach verschiedenen Abstimmungen mit der Verwaltung, allen Kommandanten und deren Stellvertretern der Marktheidenfelder Freiwilligen Feuerwehren, Kreisbrandinspektor Andreas Schmitt sowie einem Workshop mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates, soll der abgestimmte Entwurf nun zeitnah verabschiedet werden. Daraus wird nun der Entwicklungsplan und notwendige Investitionen in die städtischen Feuerwehren für die nächsten Jahre abgeleitet und festgeschrieben.