Schreckenszenario ICE-Unglück: Ausbildung am Rettungszug der Deutschen Bahn

Von |2017-06-28T10:01:39+00:0024.06.2017 | 7:23|

Es wäre vermutlich der größte denkbare Schadensfall, der im Landkreis Main-Spessart möglich ist: ein Zugunglück auf der ICE-Schnellfahrstrecke zwischen Würzburg und Fulda. Um für dieses Szenario gerüstet zu sein, fand am vergangenen Samstag zum wiederholten Male eine Tagesausbildung am Rettungszug der Deutschen Bahn am Überholbahnhof zwischen Rieneck und Burgsinn statt. 

Die ICE-Strecke Würzburg – Fulda verläuft über eine Länge von etwa 40 km – zwischen Zellingen und Obersinn – durch den Landkreis Main-Spessart. Bei einem Unglück in diesem Bereich müssten die umliegenden Feuerwehren mit einer enormen Zahl von Betroffenen und einem enormen Rettungsaufwand für die Feuerwehren und Rettungsorganisationen rechnen. Und weil dies nur durch ein Zusammenspiel aller Feuerwehren des Landkreises möglich wäre, sind auch die Feuerwehren Marktheidenfeld und Michelrieth Teil der Alarmpläne für die Schnellfahrstrecke. 

Um 8 Uhr morgens trafen sich die Feuerwehren aus Frammersbach, Karlstadt, Marktheidenfeld, Michelrieth und Rieneck am Überholbahnhof zwischen Rieneck und Burgsinn. Unter der Leitung von Kreisbrandmeister Edgar Ruppert und dem zuständigen Notfallmanager der Bahn stellten die Rettungszugausbilder der Kreisbrandinspektion zuerst alle Teile des Rettungszuges und deren Beladung vor. Anschließend wurden in Stationsausbildung ausgewählte Bereiche geübt:  

Während viele Themen, von Mehrzweckzug über Hebekissen bis hin zur Multifunktionsleiter, auch zur Standortausbildung vieler Feuerwehren gehören, wurden vor allem bahnspezifische Themen vertieft, wie Funkschema und –technik sowie das Aufbauen der Zugangsplattformen für die Sanitäts- und Transportwägen. 

Das Konzept „Rettungszug“ 

Das Notfallkonzept der Deutschen Bahn hält für Einsätze in den Tunneln der Schnellfahrstrecken Hannover – Würzburg und Mannheim –Stuttgart insgesamt sechs sogenannter Rettungszüge bereit. Zuständig für die Strecke im Landkreis Main-Spessart sind die beiden Züge in Würzburg und Fulda. 

Sollte sich ein Unfall in einem der Tunnel ereignen, so werden die beiden Züge mit einer Erstangriffs-Mannschaft der Berufsfeuerwehren Würzburg bzw. Fulda besetzt während die Lokführer von der Deutschen Bahn gestellt werden. Als „zweite Welle“ wird der Rettungszug am Schadensort mit Einsatzkräften der lokalen Feuerwehren besetzt. Dies kann bereits dann der Fall sein, wenn der Atemluftvorrat der Erstangriffs-Mannschaft nach etwa 30 Minuten verbraucht ist. 

Ein Rettungszug besteht dabei aus mindestens fünf Zugteilen mit unterschiedlichen Aufgaben:

Als Zugfahrzeug dient ein modifizierter Antriebswagen. Wie alle verbrennungs-motorbetriebenen Aggregate, die auf dem Rettungszug verladen und eingebaut sind, ist auch die Lok dieselbetrieben und kann dadurch auch bei vermindertem Sauerstoffgehalt noch betrieben werden. Der Zugführer bzw. Lokführer wird bei einem Brand über eine Maske mit Atemluft versorgt. 

Der Transportwagen ist zum einen zum Abtransport von Verletzten aus dem Tunnel ins Freie, also zu den Tunnelportalen, bestimmt zum anderen dient er zum Transport der Rettungskräfte in den Tunnel. Der Transportwagen verfügt über eine Druckkabine mit unabhängiger Atemluftversorgung. Über eine Luftschleuse können Rettungskräfte und Gerettete in den Wagen gelangen. Antriebs- und Transportwagen werden nach der ersten Einfahrt in den Tunnel von den anderen Zugteilen abgekoppelt und pendeln anschließend zwischen Unglücksstelle und Tunnelportal. 

Wie auch der Transportwagen verfügt der Sanitätswagen über eine unabhängige Atemluftversorgung. Der Sanitätswagen wird zusammen mit dem Geräte- und Löschmittelwagen vom Transportwagen abgekoppelt und bleibt an der Einsatzstelle. 

Besetzt wird der Sanitätswagen von Mitgliedern des Rettungsdienstes und mindestens einem Notarzt. Hauptaufgabe der Einsatzkräfte der Feuerwehr ist es, Verletzte aus dem Unglückzug zu retten und über die Luftschleuse in den Sanitätswagen zu bringen. Dort nimmt ein Notarzt die Kategorisierung der Verletzten vor und es werden Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet. Sobald der Transportwagen vor Ort ist, werden die Patienten vom Sanitätswagen in den Transportwagen gebracht, um sie aus dem unmittelbaren Unglücksbereich zu bringen.

Der Gerätewagen ist mit einer Vielzahl von Geräten zur Technischen Hilfeleistung sowie Brandbekämpfung, wie sie in der Feuerwehr Stand der Technik sind, beladen. Geräte- und Löschmittelwagen verfügen über keine Druckkabine, müssen im Brandfall also mit Atemschutz betreten werden. Über Rampen und Kranausleger können die Gerätschaften aus dem Wagen entladen und zum Einsatz gebracht werden. 

Hauptbestandteil des Löschmittelwagens ist ein Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Litern. Darüber hinaus sind weitere Löschmittel wie Schaum, Pulverlöscher oder CO2-Löscher verladen. Die Löschmittel werden über ein Leitungssystem nach draußen Richtung Einsatzstelle gebracht.

Verlauf der Schnellfahrstrecke im Landkreis Main-Spessart: 

Leinach (Wü) – Zellingen (MSP) – Rohrbach – Stadelhofen/Karlstadt – Steinfeld – Wiesenfeld –Gemünden – Hohenroth – Rieneck –Burgsinn – Mittelsinn – Obersinn (MSP) – Altengronau (MKK) / Zeitlofs (Bad Kissingen)

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