Es gibt wohl unzählige Personen – ob Angestellte der städtischen Verwaltung, Bürgermeister, Planer, Architekten, Bauleiter, Handwerker und Bauarbeiter, Mitglieder der Marktheidenfelder Einsatzabteilung – vor allem jedoch das ehrenamtliche Projektteam der Feuerwehr Marktheidenfeld – die diesen Tag seit langem herbeigesehnt hatten: die offizielle Übergabe der neuen Marktheidenfelder Feuerwache.

Am Freitag den 1. Oktober, und damit auf den Monat genau drei Jahre nach dem Auszug aus dem alten Feuerwehrstützpunk, war es nun endlich soweit: vor etwa 150 geladenen Gästen übergaben Bürgermeister Thomas Stamm und Leitender Architekt Georg Redelbach das Gebäude an den amtierenden Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr.

Sichtlich beeindruckt – und teils sogar gerührt – zeigten sich manche am Bau beteiligten angesichts des bild- und tongewaltigen Einleitungsvideos von Benedict Rottmann, das den Bauverlauf vom Abriss bis hin zum Einweihungstag dokumentierte.

Kaum weniger beeindruckt zeigten sich die Redner der Veranstaltung. Mit offensichtlichem Stolz auf das zukunftsweisende Projekt und seine Marktheidenfelder Feuerwehren leitete Bürgermeister Thomas Stamm durch die Veranstaltung. Als leitender Architekt der Ausführungsplanung und beauftragter Bauleiter stellte Georg Redelbach die Architektur des Gebäudes in den Vordergrund. Besonders gefreut habe sein komplettes Team sich jedoch über die wohl außergewöhnlichste Email seiner Karriere nur zwei Tage nach Bezug der neuen Feuerwache: “Der Neubau hat heute Nacht um 4.05 Uhr seine erste Bewährungsprobe bestanden – das Haus hat uns hell erleuchtet und mit offenen Armen empfangen.“ Auch war Redelbach besonders wichtig, auf das nachhaltige Bau- und Energiekonzept des Gebäudes hinzuweisen, ebenso wie auf eine vollkommen unfall- und coronafreie Bauzeit.

Investition in die Sicherheit von Bürgern und Einsatzkräften

Der aus der Landeshauptstadt München angereiste Staatssekretär des Bayerischen Innenministeriums, Gerhard Eck, betonte besonders, dass es sich bei dem Neubau nicht „um ein Spielzeug für die Feuerwehr“ handle, wie es in Berichten zu Fahrzeug und Gebäudeübergaben an Feuerwehren so häufig dargestellt werde. Vielmehr kämen Freistaat und Gemeinde mit dem zukunftsweisenden Projekt ihrer Pflichtaufgabe in Sachen Brand- und Katastrophenschutz nach und sorgten für eine angemessene Ausstattung der in Bayern zumeist – in Marktheidenfeld ausschließlich – ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Auch Kommandant Bernhard Nees stellte klar, dass der Neubau nun wieder zur Sicherheit der Einsatzkräfte auf dem Weg zu Einsätzen sorgte und eine moderne und motivierende Umgebung für Übungen von aktiver und Jugendfeuerwehr stelle. Mit moderner Technik sei man nicht nur für Standardeinsätze, sondern auch für zunehmend wahrscheinlichere Krisenfälle gut gerüstet. Nees stellte klar, dass der Neubau zwar in erster Linie als Zentrum für die Feuerwehren Marktheidenfelds gebaut wurde, die Feuerwehr Marktheidenfeld jedoch bereit sei über die Stadtgrenzen hinaus Verantwortung zu übernehmen.

Landrätin Sabine Sitter lobte in diesem Sinne die Stadt Marktheidenfeld für ihre Investition in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger des gesamten Landkreises. Sie freue sich, dass die Feuerwehr Marktheidenfeld auch personell hervorragend aufgestellt sei – auch wenn keine Feuerwehr jemals genügend Helfer haben könne. Als Stellvertreter des obersten Leiters der Feuerwehren des Landkreises überbrachte Florian List die Glückwünsche der Kreisbrandinspektion und stellte die bereits jetzt gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Marktheidenfeld heraus. Dass der Neubau auch über Marktheidenfeld hinaus wichtig ist, zeigten der bereits jetzt volle Nutzungsplan des modernen Schulungsraumes. Als weiteres Highlight überbrachte Michael Behringer die Glückwünsche des Bayrischen Roten Kreuzes als eine der vielen anwesenden befreundeten Blaulichtorganisationen.

Neubau als außergewöhnliche ehrenamtliche Leistung

Dass am Bau der neuen Feuerwache zahllose Personen außergewöhnlichen Einsatz gezeigt hatten, hob Bürgermeister Thomas Stamm hervor. Eine besondere Würdigung sprach er jedoch dem Kernteam von Stadtverwaltung und Feuerwehr aus. Während Bauamtsleiter, Andreas Burg, und Gerätewart Michael Schmelz im Rahmen ihrer hauptamtlichen Tätigkeit besonderes Engagement gezeigt hätten, sei das außergewöhnliche Engagement von Bernhard Nees und Jan Barthel dagegen rein ehrenamtlich erfolgt und von herausragender Bedeutung. Stamm dankte nicht nur den beiden selbst für deren Fachexpertise und enormen Beiträge zum Gelingen des Marktheidenfelder Großprojektes, sondern auch deren Arbeitgeber für das nicht selbstverständliche Verständnis für die hohe Belastung neben und während der Arbeitszeiten in den letzten Monaten und Jahren.

Ökumenischer Segen für Gebäude und Löschfahrzeug

Zum Abschluss der offiziellen Veranstaltung freuten sich Feuerwehr und Ehrengäste über den kirchlichen Segen. Die beiden Pfarrer, Michael Kelinske von evangelischer und Hermann Becker von katholischer Seite, lobten die Arbeit der Feuerwehr als Dienst am Nächsten und an Gott. Mit der Segnung eines Kreuzes für die Marktheidenfelder Feuerwache und der Segnung des neuen Marktheidenfelder Mittleren Löschfahrzeuges wurde die feierliche Übergabe würdig und zugleich humorvoll durch die beiden Geistlichen abgeschlossen.

Text: Philipp Roßmann | Bild & Video: Bendict Rottmann, Marcel Hanakam, Thorsten Evers

Sechs Jahre von Entschluss bis Einzug: ein Projekt über Amtszeiten hinweg

Die Gästeliste zeigte nicht nur die Wichtigkeit des Marktheidenfelder Infrastrukturprojektes „mit Leuchtturmcharakter“, wie nicht nur Landrätin Sabine Sitter das Vorzeigeprojekt nannte. Auch der zeitlichen Dimension des Projektes war Rechnung getragen worden, denn neben amtierendem Bürgermeister, Stadträtinnen und Stadträten waren auch jeweils deren Vorgänger gekommen, um das Ergebnis Ihrer langjährigen Arbeit zu sehen.

Bereits in den 90er Jahren hatte es erste ernsthafte Diskussionen zu dem im Jahr 1973 bezogenen Feuerwehrstützpunkt gegeben. Nach Entschluss des damaligen Stadtrates im Januar 2015 wurde in 2016 schließlich die notwendige europaweite Ausschreibung gestartet. 2017 setzte eben dieser Stadtrat, unter der Leitung der Ersten Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder, mit einem einstimmigen Beschluss den Startschuss für den Neubau der Feuerwache in der Karbacher Straße 21. Die Einsatzbereitschaft der Kernstadtfeuerwehr sollte während der Bauzeit über eine Interimslösung nur 100 m entfernt von der Baustelle sichergestellt werden, die ab Juni 2018 aufgebaut wurde.

Nachdem zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und sogar Spezialkräften der Polizei den Altbau im November 2018 noch ein letztes Mal für unzählige Übungen genutzt und dabei bis an seine Grenzen gebracht hatten, wurde mit dem Abriss ab Dezember 2018 die Geschichte des Gebäudes besiegelt. Bereits im Februar 2019, mit offiziellem Erstem Spatenstich im März 2019, wurde der Neubau in Beton und Stahl gebracht. Genau ein Jahr danach, im Februar 2020 konnte nach einem vorbildlichen Verlauf des Rohbaus Richtfest gefeiert werden. Der Innenausbau – eigentlich geplant bis Mai 2021 – nahm schließlich bis September 2021 in Anspruch. Während man beim Umzug der Einsatzabteilung am 18. September 2021 noch mit einigen offenen Punkten leben musste, waren nun zur Einweihung am 3. Oktober nahezu alle Restarbeiten abgeschlossen.