150 Jahre Ehrenamtlichkeit – Feuerwehr Marktheidenfeld feiert gemeinsam mit Freunden

Von |2017-06-25T16:24:37+00:0017.06.2017 | 8:40|

Es war ein Abend, der seit vielen Monaten vorbereitet worden war – und er hätte nicht besser zur Feuerwehr Marktheidenfeld passen können: der Kommersabend anlässlich des 150-jährigen Gründungsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Marktheidenfeld.

In die festlich geschmückte Aula der Staatlichen Realschule Marktheidenfeld waren unzählige Gäste aus Politik, Feuerwehr, befreundeten Hilfsorganisationen und den Partnergemeinden gekommen, um in offiziellem Rahmen zum lange erwarteten Jubiläum der Marktheidenfelder Florianjünger zu gratulieren. Aber wie es eine gut funktionierende Feuerwehr auszeichnet, sollte es nicht bei offiziellen Gratulationen und Festreden bleiben. Und so feierten die Freunde der Feuerwehr Marktheidenfeld gemeinsam mit den Jubilaren kameradschaftlich schließlich bis in den frühen Morgen.

Starke Unterstützung durch das Technische Hilfswerk

Pünktlich um 19 Uhr begrüßte der Vorsitzende des Marktheidenfelder Feuerwehrvereins, Christian Naun, die rund 250 geladenen Gäste in der Realschulaula zur offiziellen Feier des 150-jährigen Jubiläums. Gleich zu Beginn der Feierlichkeiten stellte Naun klar, dass die Feier ohne die befreundeten Kameradinnen und Kameraden des Technischen Hilfswerkes nicht möglich gewesen wäre. Denn auch wenn die Veranstaltung von der Feuerwehr geplant und vorbereitet worden war, wurden Bewirtung und der notwendige nächtliche Abbau komplett vom Ortsverband Marktheidenfeld übernommen. Dafür bedankte Naun sich im Namen der Feuerwehr sehr herzlich.

Bürgermeisterin führt durch die Meilensteine ihrer Feuerwehr

Von der Bürgermeisterin bis zur bayrischen Landtagspräsidentin waren unzählige Gäste aus Politik, Feuerwehr und Rettungswesen gekommen, um der Stützpunktfeuerwehr zu gratulieren. Und so standen die ersten beiden Stunden ganz im Zeichen der Festredner. Durch den Abend leitete dabei Marktheidenfeld’s zweiter Bürgermeister, Manfred Stamm.

Den Anfang machte „die Chefin“ selbst: Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder. Sie ließ die Geschichte „ihrer Feuerwehr“ seit der Gründung im Jahr 1867 Revue passieren. Sie machte klar, dass vor diesem Datum jeder Bürger der Marktgemeinde die Pflicht hatte, einen Löscheimer zu besitzen und im Brandfall Teil einer Eimerkette vom Heubrunnenbach bis zum Brandherd sein musste. Bis 1867 war also im Prinzip jeder Bürger Pflichtmitglied der Feuerwehr gewesen. Im Oktober 1867 schließlich traten 103 Bürger in die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr ein, deren Finanzierung damals ausschließlich auf Spenden basiert hatte. Einen wichtigen Meilenstein markierte 1950 die Ernennung der FF Marktheidenfeld zur Stützpunktfeuerwehr, welche weitreichende Investitionen in Gebäude und Technik nach sich zog. Nochmals aufgegriffen wurden die geschichtlichen Hintergründe in einer bildlichen Zeitreise, moderiert von Manfred Stamm und Christian Menig später im Programm.

Helga Schmidt-Neder stellte auch fest, dass schon in der Festschrift anlässlich des 125-jährigen Jubiläums festgehalten worden war, dass das nach wie vor aktuelle Feuerwehrgerätehaus am Nordring bereits zu klein sei. Umso wichtiger sei es daher nun – vor allem im Jubiläumsjähr – den Neubau in der Karbacher Straße voran zu treiben. Stolz zeigte sich die Bürgermeisterin über die Ausstellung „150 Jahre Feuerwehr Marktheidenfeld“, welche in den ersten Monaten des Jubiläumsjahres bereits im Franckhaus stattgefunden hatte und Besucherrekorde in die Ausstellungsräume gelockt habe.

Festredner betonen Wichtigkeit des Ehrenamtes für die Gesellschaft

Immer wieder hätten die Besuche wichtiger Politiker gezeigt, welch wichtige Rolle die Feuerwehr Marktheidenfeld als Stützpunktwehr innehabe: war 1974 der bayrische Ministerpräsident zur Einweihung des damals neuen Feuerwehrgerätehauses angereist, so war als Festrednerin anlässlich des 150-jährigen Jubiläums die bayrische Landtagspräsidentin, Barbara Stamm, nach Marktheidenfeld gekommen.

Schon Monate zuvor hatte Stamm ihre Teilnahme am Festabend zugesagt und stellte gleich zu Anfang klar, dass es keine Ehre für die Feuerwehr sei, sie zu Gast zu haben, sondern dass es für Sie eine Ehre und Freude ist, eingeladen worden zu sein. Sie habe so die Gelegenheit, ihre Wertschätzung auszudrücken für diejenigen, die ein „herausragendes Beispiel für ehrenamtliche Arbeit in der Region“ darstellten.

Wie auch alle weiteren Redner,die Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann und Bernd Rützel, das Mitglied des Landtages, Thorsten Schwab sowie Landrat Thomas Schiebel, betonte Stamm die enorme Wichtigkeit ehrenamtlicher Arbeit für die deutsche Gesellschaft. Beeindruckende Zahlen untermauerten ihren Dank: alleine in Bayern leisteten mehr als 300.000 ehrenamtliche Feuerwehrmitglieder (darunter mittlerweile mehr als 27.000 Frauen) ihren Dienst in rund 7.000 Freiwilligen Feuerwehren. Dies wäre auf hauptamtlicher Basis für keine Gesellschaft tragbar.

Dank wurde den Marktheidenfelder Florianjünger für ihren enormen Einsatz an Zeit, Engagement und in manch kritischer Situation auch den Einsatz des eigenen Lebens und der eigenen Gesundheit gesagt. Besonderer Dank ging von den Festrednern auch an die Familien der Einsatzkräfte, ohne deren Unterstützung ein Engagement nicht möglich sei. Zählen müsse man jedoch auch auf die Unterstützung der Arbeitgeber, damit diese weiterhin Einsatzkräfte für Einsätze und Ausbildungen, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, freistellten. Es sei schön zu sehen, dass manche Betriebe gar stolz darauf seien, dass sie ehrenamtliche Retter unter ihren Beschäftigten haben.

Aber nicht nur in Notsituation und Katastrophen sei Verlass auf die Feuerwehr. In vielen Städten und Dörfern sei ein Gemeindeleben ohne die Arbeit der Feuerwehrvereine nicht denkbar. Auch dafür dankten die Politiker stellvertretend der Marktheidenfelder Wehr.

Klare Worte fand Stamm in Sachen Bürokratie im Feuerwehrwesen. Hier sei es die Aufgabe der Politik, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn „Ehrenamt kann alles brauchen, außer Bürokratie“.

Gäste aus Monfort und Pobiedziska

Zu guter Letzt überbrachten auch die Vertreter der Feuerwehr ihre Grüße und Glückwünsche an die Marktheidenfelder Kameradinnen und Kameraden: Karl-Georg Kolb trat als stellvertretender Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Unterfranken ans Rednerpult, während Bertram Werrlein in Vertretung des Kreisbrandrates des Landkreises Main-Spessart sprach. Er hob besonders die gute Ausbildung der aktiven Mannschaft und die Zusammenarbeit bei unzähligen kleinen und großen Einsätzen hervor.

Besonders freuten sich die Mitglieder des Feuerwehrvorstandes und der Feuerwehrführung jedoch über die persönliche Gratulation der Kommandanten der französischen und polnischen Partnerfeuerwehren. Während Ludovic Gernigon und fünf weitere französische Freunde eigens aus Monfort angereist waren, hatten auch die sechs Gäste aus Pobiedziska rund um den Kommandanten Krzysztof Slupski eine Fahrt von zehn Stunden auf sich genommen, um das Wochenende in Marktheidenfeld zu verbringen. Organisiert wurde diese Zusammenkunft vom Partnerschaftskomitee.

Marktheidenfelder Feuerwehrmusik als musikalisches Highlight

Für ein besonderes Highlight sorgten im Programm jedoch das Bläserensemle des „Musikensemble Marktheidenfeld“ unter der Leitung von Thomas Grön. Die Musiker traten nicht nur erstmals in dieser Zusammensetzung auf sondern spielten auch die Uraufführung der „Marktheidenfelder Feuerwehrmusik“: eine Zusammenstellung verschiedener Musikstücke im Zusammenhang mit dem Thema Feuerwehr, die Alexander Wolf eigens für diesen Anlass geschrieben hatte. Nicht nur für dieses Stück erntete das Orchester von den Gästen tosenden Applaus.

Im Anschluss an den offiziellen Teil lud Vereinsvorsitzender Naun zum großen Essensbuffet ein – kurz vor Mitternacht schließlich wechselte die Veranstaltung in die Räumlichkeiten des Feuerwehrgerätehauses. Immer noch unter Bewirtung des THW konnten dort alle Freunde der Feuerwehr ausgelassen bis in die Morgenstunden 150 Jahre Ehrenamt in der Feuerwehr Marktheidenfeld feiern.

Neben der ausgelassenen Feier wird den Gästen sicherlich folgender Vergleich des Bundestagabgeordneten, Alexander Hoffmann in Erinnerung bleiben: Die Feuerwehr sei wie ein Fahrradsattel – man merke erst wie schmerzlich man ihn vermisst, wenn er fehle.

 

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