Die Informationslage bei der Abfahrt in den Feuerwehrhäusern war dürftig – wie auch im “wahren” Feuerwehr-Alltag: “Schwerer Verkehrsunfall zwischen Marktheidenfeld und Altfeld – vermutlich Gefahrgut-Lkw beteiligt”.

Während sich aus Altfeld das für technische Hilfeleistungen ausgerüstete Löschgruppenfahrzeug auf den Weg machte, rückte aus der Marktheidenfelder Interimslösung der für Gefahrguteinsätze erweiterte Rüstzug, bestehend aus Einsatzleitwagen, Löschgruppenfahrzeug, Rüstwagen, Tanklöschfahrzeug und Gerätewagen Atemschutz in Richtung Altfeld aus. Und weil sonst nicht alle Übungsteilnehmer Platz gefunden hätten, war auch noch der Mannschaftstransportwagen mit dabei.

Vorbereitet worden war das Übungsszenario auf dem Übungshof der Feuerwehr Altfeld. Und tatsächlich bot sich den freiwilligen Einsatzkräften kein einfaches Szenario, als sie mit angemessenem Sicherheitsabstand an der Einsatzstelle eintrafen:

Ein voll besetzter Kleinwagen war auf einen Gefahrgut-Lkw aufgefahren und hatte diesen so stark beschädigt, dass seine gefährliche Fracht in nicht unerheblicher Menge aus dem Lkw lief. Unter den Unfallfahrzeugen stieg beißender weißer Nebel auf. Ein weiterer Pkw musste ausweichen,  hatte sich dabei mehrfach überschlagen und war schließlich nahe beim verunfallten Lkw auf der Seite liegen geblieben. Während insgesamt sechs Personen in den beiden Pkw eingeschlossen waren, empfing der Lkw-Fahrer die Einsatzkräfte am Ende seiner Kräfte und stark hustend.

Anhand der Gefahrgutkennzeichnung am Lkw und der Informationen vom Fahrer erkannten die Einsatzkräfte schnell, dass es sich um stark ätzende Chlorwasserstoffsäure handelt, die Haut und Atemwege stark schädigen kann. Damit war klar: Arbeiten im Gefahrenbereich waren nur unter Chemikalienschutzanzügen möglich, zur Menschenrettung mindestens unter umluftunabhängigem Atemschutz.

Die Einteilung der Einsatzstelle war schnell entschieden: während die Einsatzkräfte der Feuerwehr Altfeld die Menschenrettung aus dem auf der Seite liegenden Wrack übernahmen, ging der erste Marktheidenfelder Trupp zur Rettung der vier Insassen des Fahrzeuges am Gefahrgut-Transporter vor. Da sich die Unfallbeteiligten in akkuter Lebensgefahr befanden, kam dafür in beiden Fällen nur eine Crash-Rettung in Frage – bedeutet schlicht: die Rettung muss so schnell wie irgendwie möglich erfolgen. Gleichzeitig wurde für die eingesetzten Atemschutzkräfte die zwingend erforderliche Not-Dekontamination vorbereitet.

Erst nachdem alle Menschen aus dem Gefahrenbereich gerettet worden waren, konnten sich die Einsatzkräfte dem auslaufenden Gefahrgut widmen. Im Inneren des Lkw waren die – für die Übung improvisierenten – Rohrleitungen beschädigt worden und mussten abgedichtet werden. Die erforderlichen Gerätschaften und Einsatzmittel sind auf dem in Marktheidenfeld stationierten Rüstwagen verladen.

Das Übungsende wurde schließlich verkündet, als anzunehmen war, dass die frühzeitig angeforderte Verstärkung des AC-Zuges Main-Spessart zur Dekontamination der Einsatzkräfte sowie weiteres Personal unter Chemikalienschutzanzügen aus Lohr, Karlstadt und Gemünden eingetroffen wären. Denn die endgültige Abarbeitung der Lage hätte im Ernstfall noch viel Personal und fundiertes Know-How von Chemie-Experten erfordert.

Nach einer kurzen Nachbesprechung unter Leitung der Kommandanten Bernhard Nees und Stephan Wiesmann galt der Dank noch der Unterstützung der Feuerwehr Altfeld bei der Vorbereitung der Übung sowie den zahlreichen Statisten aus den Reihen der Feuerwehr Michelrieth sowie Feuerwehrfreunde.

Bilder: Benedict Rottmann | Text: Philipp Roßmann